Ernst K. Simader - Plan-Soll-Ist - Ansatz

Ernst K. Simader

Plan-Soll-Ist - Ansatz

Produktionsplan

Um die Durchsetzung des Produktionsplanes zu überprüfen, wird man vielleicht zunächst die Istzahlen mit den Planzahlen vergleichen. Dabei wird man schnell feststellen, dass die Aussagekraft eines simplen Plan-Ist-Vergleiches nicht besonders hoch ist.

In Abbildung 1 ist lediglich ersichtlich, dass die Istproduktion kleiner ist als geplant, und dass sich das Sortenverhältnis A:B gegenüber dem Plan geändert hat.

Produktionsplan Tatächlich produzierte Mengen
Abbildung 1: Plan-Ist-Vergleich (Simulator)

Sollwert

Es kann durchaus vorkommen, dass die tatsächlich produzierte Menge kleiner ist geplant, obwohl die Produktion besser gelaufen ist als vorhergesehen: kaum technische Stillstände, weniger Ausschussproduktion, kürzere Rüstzeiten etc.

Der Grund für dieses Phänomen liegt darin, dass die produzierte Menge auch durch Parameter beeinflusst wird, die nicht im Verantwortungsbereich der Produktion liegen. Deshalb sollte man die Einflüsse des Marktes von den Einflüssen der Produktion trennen.

In einer neuen Kennzahl, der Sollproduktionsmenge, werden die kaufmännischen Einflüsse eliminiert. So kann die Effizienz des Produktionsprozesses auf einem Blick beurteilt werden.

In Abbildung 2 ist ersichtlich, dass die Sollmenge aufgrund von Markteinflüssen kleiner ist als die geplante Menge. Die Istmenge ist sogar größer als der Sollwert, da die Produktion besser gelaufen ist als geplant. Das ist auf dem ersten Blick so nicht zu sehen.

Plan-Soll-Ist-Vergleich
Abbildung 2: Plan-Soll-Ist-Vergleich (Simulator)

Abweichungsanalyse

Welche Faktoren sind im Einzelnen für die Abweichungen verantwortlich? Diese Frage lässt sich beantworten, indem die relevanten Einflussgrößen Schritt für Schritt berücksichtigt werden.

In Abbildung 3 wird deutlich, dass die Abnahme der Sollmenge auf eine geringere Verfügbarkeit der Anlage zurückzuführen ist. Das abweichende Sortenmix führt aufgrund der besseren Produktivität wiederum zu einem leichten Anstieg der Sollmenge. Die Zunahme bei der Istmenge ist auf die verbesserte Qualität, als Folge einer geringeren Ausschussproduktion, zurückzuführen.

Abweichungsanalyse
Abbildung 3: Abweichungsanalyse (Simulator)

Definitionen und Einflussgrößen

Planmenge
Die Planmenge ist die Produktionsmenge, die für das geplante Sortenmix, unter Berücksichtigung der Planzahlen für die verschiedenen Einflussgrößen, erreicht werden kann (= Produktionsprogrammplanung).
Istmenge
Die Istmenge ist die tatsächlich produzierte Produktionsmenge.
Sollmenge
Die Sollmenge ist die Produktionsmenge, die erreicht werden kann, wenn die tatsächlich hergestellten Artikel mit den geplanten Produktionsverlusten erzeugt werden.
Effekte, die von der Produktion nicht beeinflusst werden können, werden ausgeklammert.
Verfügbarkeit
Stillstandszeiten, die von der Produktion nicht genutzt werden können, werden in der Verfügbarkeit berücksichtigt. Das sind Feiertage, Betriebsferien, aber auch geplante Großreparaturen oder ungeplante Stillstände wie Streiks.
Die Produktion hat auf die Verfügbarkeit keinen Einfluss.
Nutzgrad
Durch die Produktion verursachte Ausfallszeiten werden im Nutzgrad berücksichtigt. Dazu zählen Abstellmaßnahmen für Reparatur und Reinigung, Rüstzeiten für das Umstellen der Anlage auf andere Produkte oder Maschinenstillstände aufgrund technischer Störungen.
Sortenmix
Die Zusammensetzung der Produktpalette hat einen entscheidenden Einfluss auf die produzierte Menge, da die verschiedenen Sorten meist eine unterschiedliche Produktivität aufweisen.
Der Sortenmix wird üblicherweise durch den Markt vorgegeben.
Grammatur
Die Fertigwaren werden oftmals in unterschiedlichen Flächengewichten hergestellt. Dabei bestimmt das Flächengewicht meist auch die mögliche Produktionsgeschwindigkeit. Je schwerer die Sorten sind, desto langsamer ist die mögliche Maschinengeschwindigkeit.
Die Grammatur der erzeugten Waren wird durch den Markt bestimmt.
Geschwindigkeit
Zwischen Produktionsgeschwindigkeit und Grammatur besteht meist ein zusätzlicher Zusammenhang. Die "Sollgeschwindigkeit" resultiert aus dem Flächengewicht der tatsächlich erzeugten Produkte.
Ob die mögliche Geschwindigkeit tatsächlich erreicht wird, liegt im Einflussbereich der Produktion.
Materialausnutzung
Wenn das Fertigprodukt in einem Schneideprozess auf das gewünschte Kundenformat gebracht werden muss, entsteht Materialverschnitt.
Die Höhe des Verschnitts wird in erster Linie durch die Kundenaufträge bestimmt und kann durch die Produktion nur in geringem Maße beeinflusst werden.
Qualitätsleistung
Im Fertigungsprozess fallen naturgemäß auch Produktionsmengen an, die aus Qualitätsgründen nicht für den Verkauf verwendet werden können.
Die Höhe der produzierten Ausschussmenge wird durch den Produktionsprozess beeinflusst.